Samstag, 14. Dezember 2019

Die zweite Etappe: Queen Elizabeth 2 – jenseits jeder Erwartung


Da das Internet auf dem Schiff teuer (2 min. 1 $) und lausig ist, gibt es diesen Beitrag erst wieder an Land (aus Melbourne). Wenn man mal sehen will, was auf den Meeren generell so los ist, schaut man sich das Bild links an.
Die aktuelle Position der QE findet man hier  oder hier. Aber dazu ist es ja schon zu spät, denn diesen Blog-Beitrag seht Ihr ja erst, wenn wir schon wieder an Land sind. Ein echter deadlock!

 

Mittwoch 20. Nov 2019

Der Abschied von Kapstadt ist uns schwer gefallen, besonders der Gattin, die sich zu dem Satz hinreißen ließ: „Ich wäre nicht traurig, wenn die QE jetzt schon weg wäre!“ So eine Reise stellt ja schon Anforderungen (das merkten wir beim Einpacken), die man mit Hildesheimer schwer bewältigen kann: Wo ist/sind die Pässe, das Geld, die Auto- und Torschlüssel, die Zimmerkarte, die Sonnenbrille, die Kamera, das Handy I und II, Perso und Führerschein, die Kofferanhänger und Vouchers fürs Schiff, jedes der 8 verschiedenen Ladekabel, der/die/das …
Entgegen unserer Vermutung wechselten hier nicht nur ein paar Leute das (ausgebuchte!) Schiff, sondern ganze Hundertschaften. Zu gefühlt 100% Brexiteers, die noch einmal etwas erleben wollten. Eine Fundstelle für Geologen: Hier können sie die ältesten und untersten Schichten freilegen.
Unser Wunsch nach der ersten statt der zugeteilten zweiten Essenssitzung wurde – trotz Hinweis auf attestierte medizinische Notwendigkeit – vom Maître d' abschlägig beschieden: alles voll, Warteliste. Aber die Glücksgöttin war uns in anderer Weise hold: Im Vorübergehen entdeckten wir unsere kleinen Kabinenkoffer vor einer völlig anderen Tür. Sie waren falsch abgestellt worden, und wir hätten die Nerven verloren, wenn sie nicht aufgetaucht wären.
Die Nerven haben wir dann trotzdem verloren: Kreuzfahrt-Blues oder was?! „Jenseits jeder Erwartung“, da sinniert der Philosoph über das „Jenseits“ – auf welcher Seite der Erwartung? Darüber hinaus oder weit darunter? Im Augenblick sind wir beide ent-täuscht, denn in unserer Vorstellung hatten wir uns wohl ge-täuscht. Das (zu späte) Essen, die Leute, … Vielleicht hilft ein Ablegeschluck (um 23:00), ein Shiraz aus Nederburg?
Die Abendtoilette im geräumigen Bad (1,20 x 1,80 m) geht schnell. Die Klimaanlage, die sich nicht abstellen lässt, befindet sich direkt über dem Bett. Untragbar! Die mitreisende Schiffsingenieurin hat das vorausgesehen und Material zum Abkleben mitbringen lassen. Vielleicht hat die Reederei ein Programm für Verbesserungsvorschläge, bei dem sie sich qualifizieren kann.



Donnerstag 21. Nov 2019

Gut geschlafen, denn das Schiff schaukelt beruhigend (was soll es auch sonst tun?). Passieren bei bewölktem Himmel mit 16 kn., Luft 17°, See 19°C und wenig Wind das Kap der guten Hoffnung.
Dann unterbricht eine freudige Nachricht (auf einem Zettelchen unter der Tür durchgeschoben) das gepflegte Nichtstun: Wir haben eine Verschiebung der Tischzeit auf 18:00 bekommen und müssen nicht mit vollem Bauch ins Bett gehen. Und dann noch ein privater Zweiertisch – die Leute, die wohl aufgrund einer Doppelbelegung dort saßen, wurden kurzerhand vertrieben. Und die „Kantine“, das Selbstbedienungsrestaurant, sieht auch netter aus.
 

Im vollbesetzten Royal Court Theatre reproduzierten 4 Musiker den Sound der 1960er Jahre, dem Alter der Zuhörer angemessen. Auch die Lautstärke war dem Alter der Zuhörer angemessen, so dass die meisten auf ihr Hörgerät verzichten konnten. Wir – an die Ruhe der Insel gewöhnt – flüchteten. Auf der Tanzfläche, heute nur mit Musik vom Band, drehten zwei Paare zum Wiener Walzer ihre Runde. Zum Rhythmusgefühl des einen Paares sagte die Gattin: „Die sind aus der Nordwand in Österreich.“
Von dort sind lt. Schiffsstatistik 2 Paare, wir Deutschen mit 48 Personen auf Platz 3. Unerwartet führen vor den Briten mit 684 Leuten die Australier mit 976. Daher also die vierschrötigen Typen im Holzfäller-Look!
Aus der Barkarte erfahre ich auf der letzten Station unseres Rundganges das Rezept für einen „wirklich trockenen“ Martini namens Churchill: Dry Gin, stirred, with an unopened bottle of Vermouth waved above the mixing glass. In other words, very dry. Dafür schauen wir (und das bleibt jetzt bitte unter uns!) den RTL-WWM-Spendenmarathon im Bordfernsehen.

Freitag 22. Nov 2019

Port Elizabeth (1820 von Gouverneur Sir Rufane Donkin nach seiner verstorbenen Frau benannt) erkunden wir auf eigene Faust. Bartholomeu Diaz war schon 1488 hier angekommen, fand aber außer Frischwasser nichts Bemerkenswertes. Als Stadt 1820 von britischen Siedlern gegründet. Auf alle geführten Touren, vom Addo Elephant Park bis zum Pumba Game Reserve, haben wir verzichtet. Die Big-5-Safaritouren (zur Erinnerung: Elephant. Rhino. Buffalo, Lion, Leopard) in einem Eintageshopser im Briten-Pulk zu absolvieren schien uns nicht so erstrebenswert.*) Und in der Township Experience (89$ p.P.) statt und ähnlich der Tiere die Ärmsten der Afrikaner in ihren Wellblechstädten zu besichtigen (incl. Selfie mit einem Bettler) hat uns auch nicht wirklich gelockt. Da erfreuen wir uns lieber an der (angeblich) höchsten Restaurant-Dichte pro Kopf in Südafrika. Den Donkin Heritage Trail quer durch die Stadt kann man sich erwandern. Auf ca. 5 km sind fast alle Sehenswürdigkeiten aus dem Visitors Guide versammelt.
Ja, Pustekuchen! Zwar wurde wir schon beim ersten Schritt in die Stadt von uniformierten Tourist Guides betreut, aber die angeblichen Sehenswürdigkeiten waren keine – außer einer schönen Stadthalle mit Uhrturm. Und die Frage nach einem alten Stadtkern mit netten Cafés und Läden wurde überhaupt nicht verstanden. Eine ziemlich abgewrackte Main Road, sonst nix. PE ist eine Industriestadt mit Industriehafen. Notgedrungen fuhren wir mit einem Shuttle ins Broadwalk, einem künstlichen Entertainment and Shopping Center. Dort wurden gerade die Kinder einer Primary School (alle in Schuluniform) mit je einem Softeis glücklich gemacht.

Aus der Bordzeitung (für nur 24 deutsche Kabinen eigens gedruckt) erfahren wir neben politischen Nachrichten (Merz ←→ AKK) auch, dass Diebe im Ruhrgebiet eine Currywurstschneidemaschine geklaut haben. Gut zu wissen!
Abends um 13:30 zirkelt Kapitänin Inger Klein Thorhauge das Schiff im Rückwärtsgang vom Pier und dreht in einem engen Becken auf dem Teller. Respekt!
*) Gezeichnete Postkarte mit einem schönen englischen Wortspiel: 4 Löwen und 1 Gepard sitzen am Tisch und spielen Karten. Unterschrift: Never play cards with a Cheetah!

Samstag 23. Nov 2019

Heute See- und Faultag ohne morgendlichen Wecker. Bewölkt, 23°/24°, etwas Wind, irgendwo querab von Durban. Die Gattin will wissen, wo genau. Also wird HERE, das offline Handy-Navi, befragt (Dank an M.) und meldet: „Es kann leider keine Route gefunden werden, da Ihr aktueller Standort nicht mit dem Auto erreichbar ist.“ Ja, was denkt sich die KI denn, wie ich hierher gekommen bin? Und warum ich von hier nach Durban will? Wäre ich über Bord gefallen, könnte es mir wenigstens die Richtung zeigen, in die ich schwimmen muss!
So gegen 9:30 ein weiterer Blick auf die Schiffsanzeige: „Ships Time 10:30“! Oops!! Zeitzonen-Umstellung ohne Vorwarnung – und es gibt nur bis 11 Uhr Frühstück. Nicht zu schaffen – also werden wir zum Lunch ins Britannia-Restaurant gehen. Denkste: Es ist nur zwischen 12:00 und 13:30 offen. Also ein Buffett-Häppchen im „Lido“. Danach aufkeimende Langeweile bekämpfen wir auf dem iPad mit Autokorrektur-Bingo, das sehr tiefsinnige Sätze erzeugt.

Der erste von 4 Seetagen endet mit einem Gala-Abend, also Anzug und Schlips. Die Schuhe der Gattin passen zum QE-Teppich. Davor Willkommenscocktail mit der Kapitänin nebst persönlicher Begrüßung. 





 

Sonntag 24. Nov 2019


 
Der zweite von 4 Seetagen. Um 09:00 bei 30°S 36°E über dem Mocambique Ridge, Luft 23° See 22°, Wind 28 kn. (7 Bft.) Schiff 17 kn., bedeckt mit Regenschauern. Nachts hat es gewaltig gewittert, auf dem Balkon steht Regenwasser.

Wetter klart auf, Chronist geht schwimmen im Wellenbad: witzig, in dem kleinen und flachen Pool (29°) hin und her geschleudert zu werden. Danach (Sonntag!) zum Lunch ins Britannia-Restaurant. Am Nachmittag enthüllt die Kapitänin ein Tiger-Bild des Künstlers Colin Banks (um 6000 $).

Das Wasser ist aufgebraucht, jetzt müssen wir das teure Flaschenwasser kaufen (1,5 l für 3.90 $). Das aufbereitete Schiffswasser ist ungenießbar, auch im Tee.
Was ist heute noch passiert? Nichts. Schon wieder.

Montag 25. Nov 2019

Der dritte von 4 Seetagen. Position: das Übliche, nur woanders. Wetter: das Übliche, nur wärmer. Zeit: das Übliche, also 1 Std. später. Bald können wir das RTL-Morgenmagazin abends sehen. Gestern war Nichtstun. Das müssen wir heute fortsetzen, denn wir sind nicht fertig geworden.
Um 16:00 schrammen wir an der Südspitze von Mauritius vorbei und bereiten uns auf den zweiten Galaabend Elizabethan Ball vor. Dort treten beeindruckende Gestalten auf, unter anderem Robin Hood und vornehme Originalkostüme. Plus 3 männliche (keiner unter 70) und 1 weibliche Eintänzer, um einsame Tanzfreunde herumzuschwenken.






Dienstag 26. Nov 2019

Der vierte und letzte von 4 Seetagen. Wie genießen das, was sich so viele Sommertouristen wünschen: Zimmer mit Meerblick und Balkon. Für Gäste mit Schlafstörungen: Im Bordfernsehen (gegenüber dem Bett) kann man zwischen Bug- und Heckkamera (Bild) umschalten.
Morgens Pässe abholen und Mauritius-Einwanderungskarte unterschreiben. Lange Schlange, durchschnittliches Alter über 65, durchschnittlicher BMI über 30.
Um 12:30 wäre ein eigens organisiertes gemeinsame Mittagessen der deutschen Gäste gewesen. Nein, war es wohl auch – nur wir waren nicht dort. 
Das Schiffsprogramm rund um die Uhr beginnt um 08:00 mit dem Solo Travellers' Breakfast, gefolgt von diversen Spielen (Darts, Bingo, Karten, Shuffleboard). Um 3 p.m. Needle Work oder Tanzstunden bis zur großen Abendshow mit wechselnden Sängern im Royal Court Theatre. Um 5 p.m. spezielles LGBT Social Gathering. Alles weitgehend ohne unsere Teilnahme. Denn wir lesen viel, darunter so schöne Sätze wie den über Chomsky, einen Linguisten, der sich sehr abstrakt auszudrücken pflegte: „Chomsky war lange so erfolgreich, weil er selten die Demütigung erfuhr, verstanden zu werden.“

Mittwoch 27. Nov 2019

Réunion, die französische Insel knapp von der Größe Mallorcas (850.000 Einw., 64 x 48 km). Ein nur 3 Mio. Jahre alter vulkanischer Felsklotz, mit tropischer Vegetation begrünt. Der alte Kegel ist über 3500 m hoch. Mit einem heute noch aktiven Lavaspucker im Südosten. Von den Portugiesen entdeckt wurde sie 1649 von den Franzosen eingenommen und Ile Bourbon genannt. Aha, daher der Ausdruck „Bourbon-Vanille“, denn das ist der Hauptexportartikel. Wir haben ausnahmsweise eine Tour (170 $, 08:00 – 12:30) gebucht: Salazie and Vanilla Plantation, ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen und Touristen. Dazu sind wir um 06:30 beim Frühstück (eine Zeit, die es auf Mallorcas Uhren gar nicht gibt). Und das Lido ist voll von Frühaufstehern.  
Da wir im einzigen Hafen liegen (Le Port, 20 km vor St. Denis, der Hauptstadt), in den die QE überhaupt hineinpasst (und das auch nur knapp), müssen wir mit dem Bus über die verstopfte Küstenautobahn fahren. Rechts die schroffe Steilküste, links das Meer. Wegen des traffic jam muss eine neue Straße her – aber wohin?! Auf Stelzen ins Meer – eine der teuersten Straßen der Welt, wie die tour guide uns erzählt.
Auf der Vanille-Farm erfahren wir, wie das teure Zeug wächst und hergestellt wird. Dann geht es ins Landesinnere durch tropisch-grüne Täler nach Salazie mit seinen schönen Wasserfällen. Leider wird man nicht irgendwohin gefahren, um etwas zu sehen, sondern um Fotos zu machen, auf denen man später sieht, was man hätte sehen können.

Wir hätten noch Zeit (und Euro), die Hauptstadt St. Denis zu erkunden. Aber es gibt keinen Shuttle dorthin, sondern nur Richtung Süden nach St. Gilles. Dummerweise überrascht uns der hier so häufige Klimawandel – pardon, Wetterumschwung. Von 32° 95% Luftfeuchtigkeit auf 32° 100%: es gießt. Die Aussies müssen durch die Einwanderung, die Briten noch nicht und wir auch nicht, aber durch den Zoll. Bürokraten-Bingo. Also kein Shuttle mehr, sondern Blick vom Balkon auf den Industriehafen und die Wolkenberge.


Donnerstag 28. Nov 2019

Nur ca. 170 km von Réunion bis Mauritius, eine Nachtfahrt. Wären 5 niederländische Schiffe 1568 nicht während eines Wirbelsturms hierher geweht worden, wäre die Insel noch unbewohnt. Die Holländer zogen dann wieder ab, die Insel wurde zwischen den Briten und Franzosen hin und hergereicht und wurde 1968 unabhängig. Der Dodo, ein flugunfähiger Vogel, der 1600 hier (und nur hier) entdeckt wurde, war 80 Jahre später ausgestorben – besser: ausgerottet, weil er so lecker war. NB. 1847 wurde die „Blaue Mauritius“ herausgegeben (2 Pence, seither im Wert etwas gestiegen).
Uns hat es nach Ludwigshafen (Port Louis) verschlagen, auf eigene Faust. Ein Shuttle bringt uns zur Caudan Waterfront, von wo aus man sich die Stadt erwandern kann. Aus der klimatisierte Ruhe eines Oceanliners auf hoher See in das Zentrum einer Hauptstadt der zweiten Welt zu gehen ist wie eine Begegnung mit Cassius Clay im Ring. Einige Schiffsgäste ziehen ihre Kollapsgrenze schon in der ersten Shopping Mall am Hafen. Wir schaffen es bis zum zentralen Markt und feilschen dort mit den Händlern. Bemerkenswert: Es gibt nirgendwo mehr Plastiktüten (leider aber reichlich herumfliegenden Müll incl. Plastikflaschen). Die Stadt selbst ist eine Mischung aus modern und heruntergekommen. Pünktlich um 16:00 kommt der Regen und wir freuen uns, dass wir nicht eine kostspielige Insel- oder Bootstour gebucht haben.

Ach, und heute ist Thanksgiving und es gibt Truthahn zum Dinner. 



 

Freitag 29. Nov 2019

Juhuu, der erste von insgesamt 7 Seetagen bis Australien! Um 08:30 bei 21°S 60°E mit Kurs 114° über dem South Equatorial Current im Madagascar Basin, Luft 27° See 28°, Wind 10 kn., Schiff 20 kn., sonnig, ruhige See. Aufregendstes Ereignis: Besuch der Launderette. Das ist kein Name einer Stewardess, sondern die Waschküche. Meist überfüllt, die Schiffsgäste sind sehr reinlich. Ergebnis (kein Scherz!): Ein Socken ist verschwunden (das ist ja ein bekanntes Problem bei Waschmaschinen).
Dann wurde es noch aufregender: Black Friday Sale. Dachten wir. War aber nur 30% auf Fossil-Uhren, die sowieso schon zum Billigsten gehören. Das Aufregendste war wohl das Kielwasser oder der Gang mit den QE-Begrüßungsgeschenken in den div. Häfen.


Die Ereignislosigkeit der Seetage erlaubt es, einmal von dem Dinner im Britannia zu berichten, zu dessen Auftakt ich der Gattin höflich den Stuhl in die Kniekehlen schiebe. Es gibt 3 Gänge mit je 6 bis 8 Alternativen: Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Danach Kaffee (bei uns: Espresso mit Sahne) und Petit Fours. Darunter so klingende Bezeichnungen wie Crispy Fried Gouda Cheese oder Ancho Chilli Shrimp Calabacitas. Am Ausgang darf man sich nochmal Mintplätzchen in die Tasche stopfen, um den langen Weg in die Kabine – dort liegt schon die Gute-Nacht-Schokolade auf dem Bett – zu überbrücken. Die Befestigung meiner Hemdenknöpfe (ich habe mir slim fit andrehen lassen!) wird inzwischen auf die Probe gestellt.

Abends der japanische Jongleur Tempei vom Cirque Du Soleil – tolle Leistung, besonders angesichts des (zwar nur minimal) schwankendes Schiffes. Aber drei Bälle sind ihm trotzdem runtergefallen.

Samstag 30. Nov 2019

Heute alles wie immer, nur ein wenig mehr (Ort, Temperatur usw.) – und das Frühstück haben wir wg. der Zeitumstellung schon wieder verpasst. Inzwischen haben wir 4 Std. Vorsprung.
Der Wind frischt auf, das Schiff rollt stärker und wir schlingern durch die Gänge. Unser exxxercise für Körper und Geist (Jogging-Deck, Treppensteigen statt Fahrstuhl, Schach) wird erschwert: Die Briten vertreiben uns lautstark aus dem game room (gebucht für eine Bridge lesson).
Bergfest“: Die Hälfte der Schiffszeit ist vorüber! Heute Gala-Dinner Rolling 20's und vorher Cunard World Club Party-Empfang mit der Kapitänin. Wenn man Geld ausgeben will, kann man eine Loge im Theater buchen (mit Schnittchen und Champagner für 60$) oder ein privates Foto-Shooting ab 195$). Wine tasting (8 Weine) für 150$. Oder zum Nachmittagstee (kostenlos!).
Auf dem Weg zum Dinner spielen die drei Streicherinnen in der Halle ein mir bekanntes Stück, allerdings mit halbem Tempo. Das Streichquintett von Boccerini – ein Coup, der mir schon auf der Queen Mary gelang, wo ich einen Mitreisenden mit diesem fulminanten Wissen total verblüffte. Er wusste nicht (und ich verriet es nicht), dass ich das Stück aus dem Film Ladykillers mit Alec Guinness kenne, den ich in meiner (fernen) Jugend mindestens fünf Mal gesehen habe.

Die Rolling 20's ( vielleicht auch Roaring 20's) sind wieder beeindruckend. Damen in Glitzerkostümen, mit Federboas und Fransenkleidern und Netzstrümpfen. Herren mit weißen Gamaschen und Al-Capone-Hosenträgern. Wer schleppt sowas im Koffer an Bord?! Die Entertainment Managerin (140 kg im Presswurst-Kleid) berichtet von Rekorden: Passagiere waren schon 35 Mal auf einem Cunard-Schiff, andere über 1200 Tage (3 Jahre!). Zum festlichen Essen ein schönes Glas argentinischen Malbec (16$+%). Der neue Television Guide wir ausgeteilt (Spielfilme in 5 Sprachen) mit Hinweisen, dass es Filme mit PG (parential guidance, Filme ungeeignet für Kinder) gäbe – als ob hier jemand unter 60 an Bord wäre!
















So, und das reicht erst einmal! Ab 1. Dezember kommt ein neuer Eintrag.

Dienstag, 19. November 2019

Die erste Etappe: Kapstadt und dort ein Wöchelchen

Kenn'wa schon!“, war die erste Reaktion auf den Vorschlag, sich noch einmal Kapstadt anzusehen und nicht gleich auf das Schiff zu steigen. Dann überwog das Verlangen, Erinnerungen aufzufrischen und noch ein paar von den tollen Hemden nachzukaufen, die inzwischen verschlissen sind.
 

Dienstag 12. Nov 2019

Pünktliche Landung um 10:55 und problemlose Ankunft im Hotel „The Fairways on the Bay“ direkt unterm Tafelberg (siehe „Abreise“) – obwohl der gebuchte Abholer (meet & greet) nicht erschien. Aber Flughafen-Bedienstete nahmen sich der Gestrandeten freundlich und hilfsbereit an. Wetter sonnig und stürmisch (8 Bft. „große Bäume werden bewegt, beim Gehen erhebliche Behinderung“). 
Da wird die Queen (Länge knapp 300 m, Höhe über Wasser ca. 20 m) mit ihren ca. 6000 qm „Segelfläche“ bei Seitenwind ganz schöne Schwierigkeiten beim Anlegen haben!

Erst mal sind wir Scholle: nicht so gut geschlafen (sooo doll ist die Premium Economy auch nicht!), Stress beim Abholen (s. o.), nix gegessen, Fahrt hierher schwierig (Fahrersitz auf der falschen Seite, Kupplung aber auf der richtigen, Blinkerhebel wieder auf der falschen). Zimmer musste reklamiert werden, aber jetzt haben wir ein schönes Upgrade mit Blick auf die Bay. Dann wandern wir ziellos in Camps Bay herum, um uns vom Pack- und Reisestress zu erholen. Der Ort hat sich (im Vergleich zu 1996, unserem letzten Besuch) zum In-Place gemausert. Ein Café neben dem anderen, alle mit Blick auf die Bay, in der glattgeschliffene Granitfelsen wie Buckelwale im Wasser schwimmen.

Ansonsten ezy going. Und Hussar Grill ausprobieren:  Fantastische Steaks aller Arten und Preisniveau ungefähr die Hälfte von Deutschland. Und nun Gute Nacht!






Mittwoch 13. Nov 2019

Das Hotel hat gar keinen Frühstücksraum, aber es gibt das Frühstück mit Voucher im angrenzenden Café.
Dann mit dem Hop-on-hop-off-Bus die Hauptattraktionen von Kapstadt und Umgebung „abgehakt“.

Viel ist es nicht – (zumindest nach dem ersten Eindruck) außer dem Tafelberg (Seilbahn außer Betrieb wg. Wind) und der Riesen-Waterfront ein wenig Innenstadt, aber alles ziemlich zugebaut. Die früher eher leere Strandstraße zwischen Kapstadt und Camps Bay ist ebenfalls lückenlos mit sauteuren Häusern und Appartementhäusern zugepflastert. Sieht aus wie Beverly Hills. Dann abends noch einmal durch die Waterfront gebummelt. Neben den üblichen Kettenläden viele individuelle Geschäfte zum Shoppen und Futtern.

Dann das Highlight für den Segler: unicef Clipper round the world race mit meist Laien-Teilnehmern … gerade von Südamerika eingetroffen. Von hier segeln sie nach Perth – Interessierte können ihre Route verfolgen. Man(n) konnte ein Boot besichtigen – ein Erlebnis.

Gegen Abend mit einem fast blinden Taxifahrer mit ca. 30 km/h zurück ins Hotel (denn der HoHo fährt nicht zurück) – genug für den ersten Tag. Die Sorgen über die riesigen dreipoligen Stecker in Südafrika sind übrigens unbegründet: Das Hotel hat EU-normgerechte Zwischenstecker. Geld wechseln kann man auch in den großen Malls (z. B. Waterfront).


Donnerstag 14. Nov 2019

Der zweite HoHo-Tag mit der Blue Line ein Mal um die Stadt – die Weingut-Bustour haben wir uns verkniffen (machen wir alleine), aber ein Häppchen im La Parada am Constantia Nek hat super geschmeckt (wer es nicht gemerkt hat: ein Spanier mit Tapas *grins*). Dann noch mal mit eigenem Auto (Ford Mini-SUV, sehr komfortabel) zu unserem „Stammplatz“, der sich schon herauskristallisiert, der weitläufigen V&A Waterfront („where the city meets the sea“). Nach ein wenig shoppen genießen wir Exciting, fusion-style Japanese food im Willoughby & Co. Taub aber glücklich ein letztes Schlückchen Vriesenhof 2017 (Grenache/Shiraz7Mourvedre) auf dem Zimmer ...

Freitag 15. Nov 2019

Heute stand die Weingegend um Stellenbosch auf dem Programm. Der Wind war wie abgeknipst, die Temperaturen 5 Grad höher als um den kalt-windigen Tafelberg. Wir fuhren über Franschhoek und erkannten es kaum wieder: US-amerikanische Vorstädte waren um den Ortskern herumgewachsen, gated communities, die eher Alcatraz ähnelten – Wächter, Elektrozäune, Kameras. Manche Boutiquen sind mit Eisentüren gesichert.

Kaum verlangsamt man seine Fahrt in der Stadt, tauchen selbsternannte Parkeinweiser und -wächter auf – aus dem Nichts wie Cops in den USA. Mit ihren gelben Westen (beim Chinesen gekauft) machen sie einen „offiziellen“ Eindruck. Aus dem Nichts kam auch in Stellenbosch eine Meter Maid, kaum hatten wir einen scheinbar einwandfreien Parkplatz gefunden. Sie fotografierte unser Nummernschild, produzierte ein Ticket und steckte es uns wortlos unter den Scheibenwischer. Panik! Und so eine Dreistigkeit, sie hätte uns ja wenigstens warnen oder verjagen können! Gut, das wir vorsichtig-friedlich waren: Sie hat nur die Parkzeit notiert, und man rechnet dann bei ihr ab. Pffff!
Die romantischen, kapholländischen Weinkellereien haben wir nicht gefunden, nur neben den Weinbergen einige große Erdbeerfelder mit einem riesigen Farmers Market. Als Vorbereitung auf Surfers Paradise an der Gold Coast Australiens trafen wir hier auf Säufers Paradise: einen riesigen Weinladen voller edler Tropfen aus der Gegend zu Spottpreisen.
Auf der Rückfahrt Stau, Stau, Stau und entlang der Autobahn mehrere Kilometer townships, ein Euphemismus für Slums. Ärmlichste Hütten, wenn überhaupt – oft nur lose zusammengestellte Wellblechteile (soweit man das im Vorbeifahren sehen konnte). Immerhin Strommasten, frei hängende Drähte und Satellitenschüsseln. Dann bleiben wir wieder an der Waterfront hängen, wo wir im Eisladen und im Coffie Shop schon als Stammkunden begrüßt werden. 

Samstag 16. Nov 2019

Nach kurzem Sprint durch die Dusche (2 min. Limit wg. Wasserknappheit, Baden in der vorhandenen Wanne ist verboten) hänge ich erst einmal die gesamte mitgeführte Elektronik (4 Geräte) an die Steckdose. Gut, dass die monströsen dreipoligen Stecker mit Adaptern für Europa versehen sind. In 60° Schräglage kämpfen wir uns gegen den noch stärker gewordenen Wind zum Frühstück ins Mynt Café. Nette Idee: Hotel mit Frühstück = Hotel mit Voucher für nebenan.
Zweiter Anlauf nach Franschhoek, denn wir waren offensichtlich in die falschen Ecken geraten. Ich wollte ja unbedingt mit der Winetram von einem Weingut zum anderen fahren. Aber die ist nur kurz, und die Hälfte ist ein Bus, der so tut, als wäre er eine Eisenbahn (wie die Dinger in Cala Ratjada). Außerdem waren wir zu spät dran. Die freundliche Ticketverkäuferin empfahl uns, direkt ein Weingut zu besuchen: La Motte (Achtung: To enter this site you must be over 18 years of age). Das war dann ein Erlebnis!
Da musste ich ein Fläschchen Shiraz mit 6 Medaillen kaufen (16,61€). Im nächsten Weingut wurde eine indische Hochzeit gefeiert – sehr bunte Bilder! (My wife is thirty and I am thirty two).
Und im Grande Provence haben wir uns verewigt:

Sonntag 17. Nov 2019

Tataaa! Heute ist Hochzeitstag (der wievielte, das unterliegt dem Datenschutz). Südafrika ist ja das Land der Diamanten – mal sehen, was sich da machen lässt. 

Lekkkker Essen ist auch ein Problem: Riesige Auswahl, aber zu „unserer“ Essenszeit ist der Lunch schon vorbei und für das Dinner zu früh. Und am Sonntag sind viele geschlossen. Und angesichts des riesigen Angebotes ist eine Entscheidung unmöglich (ich kann mich schon zwischen 3 Paar Socken nicht entscheiden)! Das Ereignis haben wir dann mit einer Fahrt durch die Weingüter gefeiert, von den 47 Stk. aber nur 6 geschafft. Da die Gattin nicht trinkt, musste ich fahren. Trockene Angelegenheit! 

Trotzdem haben wir die Weingüter genossen: Klein Constantia, Dornier, DelaireGraff, Boschendal (wo man auf mit der Nagelschere geschnittenem Golfrasen picknicken kann), Vrede & Lust und Holden Manz. Alle in die wunderschöne Landschaft eingebettet, die man getrost als "lieblich" bezeichnen kann.

Sonntag ist offenbar der Tag der Südafrikaner: Das Frühstückscafé war zum Bersten voll, die Straßen auch, und in den Weingütern sitzen sie an den Tischen, schwatzen und süffeln. Easy going ...

Montag 18. Nov 2019

Die Segler sind schon unterwegs! Die QE ist querab von Lüderitz (Namibia) auf ihren 9 Seetagen (boring!) von Teneriffa nach Kapstadt. Wir sind auf dem Weg nach Simons Town in ein Fischrestaurant
Aber der Reihe nach: Wir hätten uns geärgert, wenn wir das verpasst hätten. Das, was wir gerne machen: Statt im Internet nach den „10 besten X in Y“ zu suchen und stundenlang die Highlights zu priorisieren, sind wir einfach mal losgefahren. Nach Süden, entlang der Küste. Als Erstes stießen wir auf Llandudno Beach, (Wikipedia: „There are no street lights, shops or commercial activities, and the suburb has some of the most expensive residential property in South Africa.“). Riesenstrände mit Puderzucker-Sand, im Wasser die Buckelwal-Granitfelsen. Im nächsten Ort, Noordhoek, ein pompöses Einkaufszentrum (mehr als das übliche Pickn Pay).
Dann gerieten wir auf eine kurvige Küstenstraße, Chapman's Peak Drive („One of the world's most scenic drives“). Wahnsinn! 
In Simons Town einfach, preiswert und lecker Fish n chips im Lighthouse Café  gegessen, dann zurück (leider im traffic jam hängengeblieben). Noch kurz 3 Super-Eiskugeln, eine Miso-Suppe, ein Thunfisch-Tartar und ein Ingwer-Steak in der Waterfront, und dann ins Hotel. Das war ein schöner Tag!

NB. Die Restaurants sind wait to be seated und für die (unterbezahlte) Bedienung sollte man mind. 10% Tip spendieren (kann auf den Kredit-kartenbeleg geschrieben werden). Übrigens, alle (wirklich alle) sind freundlich, gut gelaunt und für ein Späßken zu haben.

PS. Dem aufmerksamen Betrachter wird es nicht entgangen sein, dass im kleinen Bild vom 18. Nov 2019 noch 2 Schiffchen im Hafen liegen. Das ließ dem Chronisten keine Ruhe. Er musste noch einmal nachsehen – da war wohl bei der Übungsregatta ein kleines Unglück passiert!


Dienstag 19. Nov 2019

Der letzte Tag!! :-( Jetzt hatten wir uns so langsam an den Rhythmus der Stadt angepasst und nun „müssen“ wir aufs Schiff. Vorher aber noch auf den (bisher verhüllten) Tafelberg – wir sind ja nicht zum Spaß hier! Also nichts wie hin, und dann die Überraschung: Wartezeit 1 ½ Std. Die Gattin hätte einen Rollstuhl mieten müssen und mich reinschieben, dann wären wir an der Schlange vorbei gekommen. Da waren wir doch auf der  Laberberg-Bahn besser dran. Also verzichten wir – der Tafelberg oben ist ja auch langweilig, weil flach wie Ostfriesland. Stattdessen fahren wir ins Belmond Mount Nelson Hotel, eine Oase mitten in der Stadt, um den Afternoon Tea zu genießen. Die Golfmütze aus Mallorca verschafft uns das notwendige standing.
 
Das MOCAA (Museum of Contemporary Art Africa) wartet auch noch. Ein imposantes Gebäude, und innen eine interessante Ausstellung von William Kentridge. Sehr beeindruckend, vor allem die Video-Installation. 


Die QE liegt schon im Hafen und spuckt Touristen aus, deren Anblick die Gattin schaudern lässt. Da flüchten wir zum Abschiedsessen ins Codfather (ein gelungenes Wortspiel) nach Camps Bay, zu in der Tat göttlichen Fischangeboten. Gerappelt voll, und man sucht sich sein Essen nach Gewicht an der Theke aus. Und möchte am liebsten noch hier bleiben! Die Hemden übrigens – um zur Einleitung zurückzukommen – gab's nicht mehr.




PS. Als Laien-Blogger gelingt mir das Design nicht immer professsionell -- ich bitte um Nachsicht! Aber das ist ja eigentlch auch nur ein Blog für uns, damit wir die schönen Momente nicht vergessen.